01.04.2011 21:09:18:
Bischof Küng erläutert kirchlichen Befreiungsdienst
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(presse.kirche.at) Anstelle von "Exorzist" verwendet die Kirche in Österreich die Bezeichnung "Beauftragter im Befreiungsdienst", weil damit die Tätigkeit dieser Priester realistischer umschrieben wird. Das erläuterte Bischof Klaus Küng gegenüber der Tageszeitung "Standard" am Freitag vor dem Hintergrund des aktuellen Kinofilms "Das Ritual". Im Folgenden die Stellungnahme Bischof Küngs im Wortlaut:
Grundsätzlich bevorzugt die katholische Kirche in Österreich die Bezeichnung "Beauftragter im Befreiungsdienst" anstatt "Exorzist", auch, weil es die gewöhnliche und überwiegende Tätigkeit dieser Priester realistischer umschreibt.
Es sollte nach Vorgaben aus Rom in jeder Diözese einen vom Bischof Beauftragten im Befreiungsdienst geben. Das ist derzeit in Wien, St. Pölten und Linz der Fall. Weitere Diözesen werden voraussichtlich folgen. Einige Bischöfe bevorzugen jedoch das System, keinen eigenen Beauftragten zu ernennen, sondern Priester für jeweils auftretende Fälle zu bestimmen. Insgesamt kann man sagen, dass es in allen Diözesen Priester gibt, die die nötige Ausbildung und das Wissen für diesen Dienst haben.
Die Namen der Beauftragten im Befreiungsdienst wollen die Diözesen nicht bekanntgeben, um die betreffenden Priester frei von unnötiger Neugierde und Sensationslust zu halten. Es schwirren ja sehr viele spektakuläre und oft falsche Vorstellungen über den Befreiungsdienst umher, angeheizt von diversen Filmen - daher bitten diese Priester um mögliche Anonymität, damit sie ihre Arbeit diskret und ernsthaft tun können. Was sie tun, ist ein echter Dienst an bedrängten Menschen, die sich außerhalb dieser diskreten Situation vielleicht nicht zu ihnen trauen würden. Jeder, der das Gefühl hat, des Befreiungsdienstes zu bedürfen, kann sich an seine Diözese wenden, d.h. üblicherweise im Ordinariat anrufen; dort vermittelt man ihn dann nötigenfalls weiter an den betreffenden Priester. (Anm. Es ist klar, dass im heutigen Medienzeitalter eine völlige Geheimhaltung gar nicht möglich ist – es wird jedoch an das Taktgefühl appelliert).
Der "alltägliche Dienst" des Beauftragten im Befreiungsdienst besteht selten bis gar nicht in solchen lauten, spektakulären Erfahrungen, wie man sie etwa aus "Der Exorzist" kennt. Wenn überhaupt eine echte Bedrängung vorliegt und nicht nur ein psychisches Problem (was immer im Vornherein abgeklärt wird, möglichst durch psychiatrische Gutachten), sieht die "Arbeit" zumeist so aus: immer wiederkehrende, geduldige Gebete mit der und über die betroffenen Person, die sich (ähnlich einer regelmäßigen Arztbehandlung) über Monate, ja Jahre ziehen können und nach und nach zu einer Besserung führen sollten. Wichtig ist dabei auch eine gute pastorale Begleitung. Der Beauftragte ist üblicherweise ein kluger, erfahrener Priester mit einer Unterscheidungsgabe; man wird eher nüchterne Persönlichkeiten auswählen.
Wir als Katholiken glauben ja und die Erfahrung von solchen Beauftragten lehrt: es ist tatsächlich so, dass das Böse existiert, dass Menschen - auch in Österreich - durch (personifizierte) Kräfte des Bösen zum Teil existentielle Bedrängungen erfahren, die nicht allesamt falsch interpretierte psychische Erkrankungen sind, sondern eben manchmal etwas anderes. In diesen Fällen ist es angeraten, die Hilfe eines Beauftragten im Befreiungsdienst aufzusuchen, mit ihm zu unterscheiden und gegebenenfalls die nötigen Schritte zu setzen. Es ist uns ein Anliegen, dass diese Hilfsmöglichkeit auch bekannter wird, weil auf diese Weise viel Leid gelindert werden kann; gleichzeitig weisen wir auf die Erfahrung von vielen solchen Beauftragten hin, dass gerade jene Menschen, die felsenfest überzeugt sind, besessen zu sein, häufig ganz andere Probleme haben.
Quelle: http://www.stjosef.at/stjosefnews/singlenews.php?lang=de&category=0&newsnr=5289
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Last update of this page: 03.04.2011